In ihrem Hype Cycle for Supply Chain Execution Technologies, Gartner hebt die wachsende Bedeutung von Simulations- und Modelling-Möglichkeiten im Supply Chain Network Design hervor. Insbesondere im Bereich der Digital Twins gibt es verschiedene Use Cases. In diesem Blog-Artikel erfahren Sie mehr über Supply Chain Execution Systems und wie sie mit dem Supply Chain Network Design zusammenhängen.

Digital Twins in der Supply Chain

Viele Unternehmen untersuchen derzeit das Potenzial von Digital Twins in Lieferketten. Ihre Implementierung kann eine Einzellösung sein oder sogar Teil einer ganzen Supply-Chain-Transformation werden. CAMELOT geht davon aus, dass Digital Twins das Supply Chain Network Design im Allgemeinen beeinflussen und insbesondere die Beschaffungsprozesse unterstützen werden.

Wie digitale Zwillinge im Supply-Chain-Netzwerkdesign eingesetzt werden können

Mit Hilfe aktueller digitaler Entwicklungen, vor allem im Bereich von Data Analytics durch höhere Rechenleistung und Verknüpfung von Daten aus verschiedensten Quellen, entstehen in unterschiedlichen Bereichen entlang der Supply Chain neue Potenziale. In vielen Produktionsbetrieben sind seit mehreren Jahren digitale Zwillinge von Maschinen im Einsatz, welche für neue Potenziale durch Effizienzgewinne oder auch proaktive Wartungsarbeiten genutzt werden. Dieser Ansatz lässt sich auch auf weitere Bereiche übertragen: Digitale Zwillinge können entlang der gesamten Supply Chain eines Unternehmens eingesetzt werden.

Bisherige Anwendungsfälle beinhalteten eine kollaborative Plattform für Supply Chain Design und somit ein funktions- und regionsübergreifendes Arbeiten an der Verbesserung des Supply Chain Set-ups. Beispielsweise konnte hierüber die Auswirkung einer lokalen Optimierung in Europa auf die Nachschubtransporte aus amerikanischen Produktionen geprüft werden.

Neu ist nun die Verzahnung vieler Anwendungsfälle aus unterschiedlichen Funktionen, zum Beispiel der Planung oder des Logistikeinkaufs auf einer Platform, verbunden durch ein singuläres Datenmodell und online ständig verfügbar für verschiedenste Funktionen Ihres Unternehmens durch leicht verständliche Apps. Mit Hilfe dieser spezialisierten Apps lassen sich Schnittstellen zu den einzelnen Funktionen herstellen, Arbeitsergebnisse integrieren und bessere, weil ganzheitlichere Entscheidungen treffen.

Digitale Zwillinge im Logistics Procurement

Den besonderen Fokus legen wir auf das Thema Logistics Procurement: Im Rahmen potenzieller Ausschreibungen für Logistikdienstleistungen lassen sich notwendige Daten in einem digitalen Zwilling schnell auswerten und für neue Vergabeszenarien vorbereiten. Die neuen technischen Möglichkeiten unterstützen unter anderem Ausschreibungen in der Vorbereitung und der Analyse potenzieller Auswirkungen auf die Supply Chain. Dabei lassen sich zwei Kernbereiche identifizieren.

Analyse von Ausschreibungen

Der erste Bereich, in dem ein digitaler Zwilling bestehende Prozesse und Systeme ablöse kann, ist die Analyse von Ausschreibungsergebnissen mit Hilfe einer Analytics Plattform. Viele der etablierten Plattformen zur Unterstützung von Ausschreibungen fokussieren sich auf Transportdienstleistungen, wodurch lediglich ein Teil der Supply Chain unterstützt wird. Lagertätigkeiten hingegen eignen sich in vielen Fällen durch ihre speziellen Anforderungen weniger für standardisierte Plattformen.

Analytics Plattformen, welche bereits seit längerem am Markt etabliert sind, können Ergebnisse analysieren und profitieren von standardisierten Kommunikationsschnittstellen und integrierten Datenbanken der Provider. In vielen Fällen von Ausschreibungen sind Dienstleister aber bereits vorqualifiziert. Hierdurch ergibt sich ein Portfolio von Anbietern, was im Laufe der Zeit eine potenzielle Rotation der beauftragten Dienstleister ermöglicht. Die Anbindung von Ratentabellen verschiedenster Anbieter grenzen die standardisierten Plattformen jedoch in der Flexibilität ein. Mit digitalen Zwillingen entstehen bei diesen Prozessen erhebliche Vorteile: schnelle Analysen von Angeboten in einer Ausschreibung, aber auch einer direkten Simulation der Details mit den jeweiligen Anbietern. Zum Beispiel können im einem digitalen Zwilling Lagerprozesse wie Umarbeiten oder Umpacken dargestellt und bewertet werden, wohingegen Analytics Plattformen meist nur Raten & Volumen kennen. Ein aussagekräftiges Ergebnis ist somit schnell verfügbar und lässt sich mit den anderen vergleichen. Jedoch fallen zusätzliche Kosten für die neue Plattform des digitalen Zwillings an. Werden allerdings die Kosten verschiedener Plattformen in einem digitalen Zwilling gebündelt, so lassen sich in den meisten Fällen über den gestiegenen Funktionsumfang hinaus noch Einsparungen in den Lizenz- und Nutzungskosten erzielen.

Verbesserung des Set-Up der gesamten Supply Chain

Der zweite Bereich ist die Auswirkung einer Ausschreibung auf das gesamte Setup der Supply Chain. Mit Hilfe des digitalen Zwillings lassen sich bisher nicht betrachtete Szenarien schnell analysieren. Hierzu zählen unter anderem

  • Versorgung von Regionen und Kunden in Grenzgebieten zwischen zwei Lagern
  • Auswirkungen von veränderten Raten in einem Lager oder für die Distribution in ein bestimmtes Gebiet
  • Effekte von partiellen Transportausschreibungen zwischen Standorten oder auf der letzten Meile in einem Lager auf die Gesamtkosten für Produkte in anderen Lägern
  • Veränderte Nachschubmuster von Nachfrageszenarien sowie deren Auswirkungen auf die Gesamtkosten in verschiedenen Lagern
  • Reallokation von Lagern oder Standwortwechsel von Produktionsstätten
  • Umweltbedingungen, wie neue rechtliche Regularien oder Abkommen zwischen Staaten

Insgesamt können Entscheidungen im Supply Chain Management mit Hilfe von digitalen Zwillingen ganzheitlicher und transparenter getroffen. Im Vergleich zur Vergangenheit wird die Entscheidungsfindung deutlich vereinfacht. Dabei wird sichergestellt, dass die einzelne Teile der Supply Chain keine individuellen Verbesserungen durchführen, welche an anderer Stelle, bspw. in Nachschubverkehren oder Lagerhandling, ggf. Mehrkosten nach sich ziehen, die in einer isolierten Ausschreibung nicht berücksichtigt werden.

Wir möchten Tim Walde, Dominik Hartung für seinen wertvollen Beitrag zu diesem Artikel danken.

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