Als Anerkennung für das gute Abschneiden beim unternehmensinternen Innovationswettbewerb der CAMELOT hatten wir die Gelegenheit, Europas größte Start-up- und Technologiemesse Web Summit in Lissabon zu besuchen. Wir erlebten drei Tage voller Vorträge, Master Classes, Fragerunden, Pitches und Gespräche. Im Folgenden fassen wir unsere Erkenntnisse über wichtige Trends für das Value-Chain-Management der Zukunft zusammen.

1. Kein Business ohne Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit hat in diesem Jahrzehnt absolute Priorität! Ganz gleich, um welches Thema es sich handelt – von FinTech, Handel, Mobilität, Web3 bis hin zur neuen Arbeitswelt – Nachhaltigkeit ist ein zentraler Aspekt für jedes Unternehmen. Vor allem, wenn es um das Management von Wertschöpfungsketten geht, führt kein Weg an Nachhaltigkeit vorbei. Bei den meisten Unternehmen entstehen die größten Treibhausgasemissionen in den ersten Stufen ihrer Lieferkette, von der energieintensiven Herstellung von Vorprodukten bis hin zur Gewinnung von Rohstoffen; gleichzeitig lassen sich die Treibhausgasemissionen oft nur schwer quantifizieren. Dabei müssen Unternehmen Emissionsdaten erfassen, um diese ihrem Netzwerk aus Lieferanten und Kunden bereitzustellen. Technologien wie Blockchain ermöglichen eine zuverlässige Nachverfolgung von CO2-Emissionen bis hin zu den Tier-n-Zulieferern und können so dazu beitragen, Emissionen transparenter zu machen und dann in einem zweiten Schritt zu reduzieren.

Weitere Informationen finden Sie im Artikel “Wie Blockchain helfen kann, CO2-Daten in Wertschöpfungsketten zu managen“.

2. Von „Digital Twin“ zum „Physical Twin“

Der Digitalisierungsbedarf ist seit mehr als 20 Jahren ein Thema und seit mindestens 10 Jahren sprechen wir über die Vorteile neuer Technologien wie KI, IoT oder Cloud Computing. Doch sieht man sich das heutige Marktumfeld an, wird klar, dass viele Unternehmen noch immer im Rückstand sind. Die digitale Transformation kann nur Erfolg haben, wenn sie eine Priorität für jeden CEO darstellt und in der Kultur des Unternehmens verankert ist. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen digitalen Transformation besteht in einer offenen Haltung zu integrierten Partnerschaften sowie einem starken Fokus auf Veränderungsmanagement. Mitarbeitende müssen in vollem Umfang verstehen, wie KI ihr tägliches Geschäft verbessern kann. Und die Veränderung sollte sofort beginnen, denn sie kann dazu beitragen, auch andere Prioritäten wie Nachhaltigkeit anzugehen oder schneller auf neu eintretende Krisen zu reagieren (Risiko- und Resilienzmanagement).

Sei es in der Produktion oder in der Logistik, im Vordergrund sollte nicht mehr die physische Ressource stehen mit digitalen Zwilling (Digital Twin) im Hintergrund.  Vielmehr gilt es, sich zuerst auf die digitale Ressource zu konzentrieren, im Wissen, dass diese eine physische Entsprechung hat, einen „Physical Twin“.

Ein Beispiel finden Sie im Artikel, wie Digital Twins die CO2-Neutralität in der Logistik unterstützen.

3. Von der „Krankenpflege“ zur Gesundheitspflege

Unsere Gesundheitssysteme sind darauf ausgelegt, Patienten zu behandeln, die an Krankheiten leiden, und entsprechend liefern große Pharmaunternehmen Arzneimittel für den globalen Markt. Digitale Innovationen und der Trend hin zur Aufzeichnung von Körperdaten können den Wandel von der reaktiven zur präventiven Gesundheitspflege einläuten! Zukünftig werden immer mehr Wearable-Geräte im Gesundheitsbereich zum Einsatz kommen, um Körperdaten wie Puls, Blutzucker, Blutdruck oder Schlafqualität aufzuzeichnen. Die Daten können genutzt werden, um potenzielle Erkrankungen frühzeitig zu erkennen oder ihnen proaktiv vorzubeugen. Das Betriebsmodell der Lieferketten für Gesundheits-Wearables ist mit kürzeren Lebenszyklen und höherem Kostendruck völlig anders als das im traditionellen Gesundheitssektor. Statt regulatorischer Vorgaben sind hier beispielsweise Datenschutzanforderungen entscheidend. Es wird spannend zu verfolgen, wie die heutigen Akteure des Gesundheitssektors auf diesen Trend reagieren werden.

Weitere Informationen zu den Herausforderungen, vor denen Pharmaunternehmen in Hinblick auf neue Geschäftsmodelle stehen, finden Sie in diesem Artikel unserer Kollegen von Hypertrust Patient Data Care über “Personalisierte Therapien“.

4. Omnichannel als Muss

E-Commerce nimmt seit Jahren zu und diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Besonders für Unternehmen, die hochvolumige Produkte wie Möbel oder Sportausrüstung anbieten, stellt dieser Trend eine Herausforderung dar. Um in einem wettbewerbsintensiven Markt zu bestehen, müssen sie auf die Präferenzen der Kunden reagieren, die kürzere Durchlaufzeiten und zufriedenstellende Kundenerlebnisse erwarten. Anbieter müssen beispielsweise ihre Aktivitäten aus großen und teilweise abgelegenen Megastores in kleinere Pop-up-Stores in den Stadtzentren verlegen. Zudem fordern begrenzte Lagerkapazitäten differenzierte Vertriebskanäle – etwa die Ladenabholung in Kombination mit der Lieferung nach Hause. Doch die traditionellen Einzelhandelslieferketten in diesen Sektoren sind noch nicht für eine optimale Unterstützung von Omnichannel-Ansätzen ausgelegt. Unterschiedliche Kanäle erfordern zum Beispiel unterschiedliche Ansätze für Bedarfsplanung und Bestandsverwaltung.

In den Pop-up-Stores können Technologien wie Augmented Reality eingesetzt werden, um dem Kunden eine konkrete Vorstellung davon zu bieten, wie ein gekauftes Produkt zu ihm oder in die eigene Wohnung passt. Neben der höheren Kundenzufriedenheit kann dieser Trend auch dazu beitragen, kostspielige Rücksendungen zu reduzieren. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Unternehmen mit der Einführung von Konzepten zur Verlängerung der Lebensdauer beginnen, etwa für eine stärkere Wiederverwendung von Produkten. Auch das ist eine Reaktion auf den Trend Nachhaltigkeit – was allerdings die Lieferketten noch komplexer macht.

Weitere Informationen zur Gestaltung von Omnichannel-Lieferketten im Lebensmitteleinzelhandel bietet der Artikel “Lebensmitteleinzelhandel: der Weg zur Supply Chain der Zukunft“.

5. Technologie verändert den Logistiksektor

Neue Technologien bedingen einen grundlegenden Wandel in der Logistik. Der derzeitige Mangel an Lkw-Fahrern wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Eine in Lissabon diskutierte Antwort darauf könnte in autonomen Fahrzeugen bestehen – diese könnten den gesamten Warentransport auf Straßen und Schienen revolutionieren. Einschränkungen durch Zwangspausen auf langen Strecken, erkrankte Fahrer und Übernachtungen unterwegs würden entfallen. Wenn der Straßentransport schneller, zuverlässiger und kostengünstiger wird, kann er besser mit anderen Transportarten wie dem Schienentransport konkurrieren.

Ein weiterer Trend in der Logistik ist die Abkehr von großen, außerhalb der Stadtzentren gelegenen Warenlagern hin zu kleineren Lagern näher bei den Kunden. Dies kann mithilfe von 3D-Regal-Robotern bewerkstelligt werden, die eine bessere Nutzung beschränkter Flächen und eine vertikale Lagererweiterung ermöglichen. Dies erfüllt auch die Kundenerwartungen in Hinblick auf immer kürzere Lieferzeiten auf der letzten Meile.

Weitere Informationen dazu gibt im Blogartikel “Digital Warehousing: Vision 2025“.

 

Dies sind nur fünf der wichtigsten Trends, mit denen wir uns bei unserem Besuch beim Web Summit in Lissabon beschäftigt haben. Welcher davon ist für Sie besonders relevant? Und welchen vermissen Sie? Kontaktieren Sie uns auf LinkedIn, wir freuen uns auf einen Austausch!

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