Trotz aller Herausforderungen, mit denen die Pharmalogistik aktuell zu kämpfen hat, gibt es auch eine ganze Reihe neuer Chancen: KI, Data Science, Blockchain, Machine Learning, Kollaborationsplattformen und IoT eröffnen neue Sichtweisen – mit erheblichen geschäftlichen Auswirkungen.

Der Umbruch in den Lieferketten durch die Covid-19-Pandemie und verschiedenen Klimakatastrophen auf der ganzen Welt haben die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten erneut auf die Tagesordnungen gehoben. Gleichzeitig entwickelt sich Nachhaltigkeit als heißes Thema auf der Pharmalogistik-Agenda, und Datenanalysen werden immer „anfassbarer“ und wertschöpfend für die Lieferkettenausführung. 

In einer kleinen Artikelserie beschäftigen wir uns mit Trends und Treibern der Pharmalogistik. Sie erfahren, was Sie tun können, um Ihre Pharmalogistik „zukunftssicher“ zu machen. Im ersten Teil unserer Serie beleuchten wir wichtige Trends in der Pharmaindustrie, die die Logistik von morgen beeinflussen werden.

Teil I: Neue Marktchancen treiben den Wandel

An schnelle Veränderungen anpassen

Supply-Chain-Verantwortlichen in der Pharma-Industrie ist bewusst, dass die Globalisierung weiterhin große Herausforderungen bereithält. Der zunehmende internationale Handel erweitert immer noch die Supply Chains globaler Produktionsnetzwerke und Beschaffungsmärkte. Dadurch werden die Lieferketten zunehmend anfälliger für Störungen und Risiken z. B. durch Pandemien, extreme Wetterbedingungen, Naturkatastrophen, geschlossene Grenzen oder gesperrte Wasserwege oder Häfen. Dazu kommen in der Pharmalogistik immer neue regulatorische Anforderungen, etwa die Arzneimittelreserve in Frankreich. Das zwingt die Branche dazu, flexibler zu werden, Risiken zu mindern, die Kontrolle zu behalten und nicht nur den Weg der Produkte zu überwachen, sondern auch Faktoren wie Temperatur oder Feuchtigkeit. Gelingt es uns jedoch, die Supply-Chain-Organisation an den immer schnelleren Wandel anzupassen, eröffnen sich ungeheure Möglichkeiten. Flexibilität beim Vertrieb an denselben Kunden von mehreren Standorten aus, die Eroberung neuer Märkte wie den Nahen Osten und Afrika, oder die Nutzung der Chancen des wachsenden Marktes für fortschrittliche und personalisierte Medizin sind nur einige Beispiele.

M&As: Auswirkungen und Chancen

In den letzten Jahren haben vor allem zwei Trends die Lieferketten in der Pharmaindustrie massiv beeinflusst: Fusionen und Übernahmen und – oft im selben Zusammenhang – eine Portfolio-Erweiterung hin zu Großmolekül-Pharmazeutika (Biotech). Die entsprechenden Veränderungen bedeuten einen erheblichen Aufwand für die Anpassung von Prozessen und IT-Systemen, um den Informationsfluss zu gewährleisten und regulatorische Vorgaben einzuhalten. Dies umfasst auch die Konsolidierung von Distributionsnetzwerken sowie die Integration oder Harmonisierung der Überwachung von Produktsicherheit und Temperatur, oder die Notwendigkeit, die unterschiedlichen Anforderungen von Biotech, Pharma und Impfstoffen aus einem Netzwerk zu bedienen – um nur einige Beispiele zu nennen.

Natürlich gibt es bei fusionierten Geschäften erhebliches Einsparpotenzial. Um Ineffizienzen aufzudecken, die durch doppelte Logistikprozesse und Systeme sowie fehlende Prozessstandardisierung, fehlendes Stammdatenmanagement und eine mangelhafte Supply-Chain-Planung bedingt sind, gilt es, das Distributionsnetzwerk genau unter die Lupe zu nehmen. Eine Überprüfung der Supply-Chain-Planung ist besonders dann angezeigt, wenn das Portfolio um neue Produkte mit unterschiedlicher Sensitivität erweitert wird. Eine höhere Empfindlichkeit kann zu kürzeren Verfallszeiten führen, die kürzere Durchlaufzeiten und einen höheren Temperaturregelungsaufwand erforderlich machen.

Produktempfindlichkeit bestimmt regulatorische Anforderungen und Verpackungslösungen

Angesichts gesetzlicher Vorgaben und der großen Vielfalt an Ladevorrichtungen, mit deren Hilfe sich die Produktsicherheit entlang der Lieferprozesse gewährleisten lässt, kann die Temperaturregelung und -überwachung eine große Belastung darstellen. Beispiele für solche Vorrichtungen sind aktive oder passive Ladeeinheiten (ULD – Unit-Load-Devices) oder Thermodecken – mit großen Unterschieden bei Kosten und Isolationsgrad, und damit unterschiedlichem Risiko kostspieliger Produktverluste. Oft zeigt sich jedoch, dass es kostengünstigere Transportmöglichkeiten gibt, oder dass sich die hochwertigen Medikamente besser durch einen andere Prozesse oder Verpackungsmöglichkeiten schützen lassen.

Lieferketten resilient und nachhaltig denken

Flexibilität und die Fähigkeit zu kurzfristigen Anpassungen sind der Schlüssel zur Resilienz der Lieferkette. Das Konzept gibt es bereits seit einigen Jahrzehnten in anderen Disziplinen, gemeint ist die Fähigkeit, in Ihrem Setup schnell auf eine Störung zu reagieren und dann zum ursprünglichen Zustand zurück zu kehren oder sogar einen oder besseren zu erreichen. Dies erfordert Wissen um die Verwundbarkeit der supply chain operations, und die Fähigkeit, die Auswirkungen von Risiken zu reduzieren. Die Herausforderung besteht darin, dass wir nicht wissen, wie und wo uns die nächste unerwartete Entwicklung treffen wird. Dafür sorgt eine kontinuierliche Mischung aus neuen Krisenthemen wie die Covid-19-Pandemie, Brexit und Umwelt-Evergreens wie Überschwemmungen, die Hurrikan-Saison oder Tornados (auch in Deutschland), oder auch Fahrermangel, eine Blockade des Suezkanals und andere Entwicklungen bzw. Ereignisse.

Wie wir bei den jüngsten Herausforderungen gelernt haben, wollen wir die Dinge nicht noch schlimmer machen. Nach 30 Jahren grüner Bewegung hat die jüngste Entwicklung die Forderung nach echter Nachhaltigkeit verstärkt, einschließlich CO₂- und Abfallreduzierung. Dies gilt auch für die Pharmalogistik. Die gute Nachricht ist, dass dies oft mit Bemühungen um Kosteneinsparungen korreliert, da oft die gleichen Maßnahmen greifen.

Neue Technologien für Pharmalogistik

Aus technologischer Sicht ist die integrierte Supply Chain Execution in der Pharmalogistik mit erfolgreichen Implementierungen von Transportmanagementsystemen in der gesamten Branche angekommen. Während der Pandemie gewannen Kollaborationsplattformen in der Pharmalogistik an Bedeutung, da Transparenz und Echtzeit-Temperaturverfolgung integrierte Systeme und Business-Intelligence-Lösungen für verbessertes Reporting und Datenmanagement erfordern.

Unterstützt durch maschinelles Lernen können wir jetzt Predictive Analytics auch für die kurzfristige Planung von Teamkapazitäten realisieren und dies auf den Kampf um die Bewältigung unseres Bedarfs anwenden, etwa bei Reefern und ULD wie Envirotainern. Ein Großteil dieser Technologie hat schon in den betrieblichen Alltag Einzug gehalten.

Neues Release von SAP

In den nächsten Jahren wird es jedoch noch viel größere Veränderungen geben, die die Freigabe von Budgets erfordern, die weit über den Test und die Anwendung dieser neuen Technologien hinausgehen: Wie andere Branchen ist auch die Pharmaindustrie von der Migration von SAP R3 auf S/4 betroffen, wodurch viele ihrer Kunden (groß oder kleiner) unter Druck geraten. Dies beinhaltet die Entwicklung Template-basierter Lösungen, für die Pilotstudien durchgeführt werden müssen, sowie die Beauftragung der SAP-Berater zur Implementierung. Für die Branche ist dies eine große Herausforderung.

Und es kann die perfekte Gelegenheit sein, den nächsten Schritt zu gehen und einige der oben genannten Technologietrends in Ihr neues Prozessmodell zu integrieren. Dann profitieren Sie von einer erhöhten Prozesseffizienz, reduzierten Kosten und CO₂-Emissionen sowie einer verbesserten Supply-Chain-Transparenz.

In unserem nächsten Blogartikel geben wir anhand eines Praxisbeispiels, der Integration des Temperaturmanagements, Einblicke in die Supply Chain Visibility in der Pharmalogistik.

Wir möchten Thomas Schnur für seinen wertvollen Beitrag zu diesem Artikel danken.

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