Mobile Apps sind keine Innovation mehr. Sie gehören zum Alltag und das Smartphone hat den Laptop längst als beliebtestes Endgerät abgelöst. Trotzdem sehen wir in vielen Unternehmen, dass gerade im SAP-Umfeld selten eine mobile Strategie existiert und Prozesse noch nicht für mobile Endgeräte optimiert sind.

Zugegeben, SAP war lange für seine verschachtelten, komplexen, aber auch unübersichtlichen Geschäftsapplikationen bekannt. Transaktionen waren mit Funktionen überladen, so dass Anwender lange Einarbeitungszeiten und aufwändige Schulungen benötigten. Hat sich das schon zu sehr in den Köpfen festgesetzt?

Die Einführung von SAP Fiori

Seit der Einführung von SAP Fiori im Jahr 2013 versucht die SAP gegenzusteuern und hat einen Paradigmenwechsel vollzogen. Komplexität wird bewusst reduziert und SAP fokussiert sich mehr auf die wirklichen Anforderungen der Benutzer.

Abbildung 1: SAP Fiori Overview Page

Zwar bietet das Unternehmen schon seit mehr als sieben Jahren Plattformen an, um mobile Endgeräte zu integrieren (z. B. SAP Netweaver Mobile und SAP Mobile Platform/Sybase Unwired Platform), mit SAP Fiori ist aber dank HTML5 eine einfache, endgerätübergreifende und kostenneutrale Umsetzung möglich – im einfachsten Fall ohne zusätzliche Lizenzen und Infrastruktur. Mittlerweile hat die SAP das Portfolio deutlich erweitert und bietet unterschiedliche Frameworks für die mobile App Entwicklung an (mehr dazu in Teil 2).

In Teil 1 möchten wir zuerst auf webbasierte und hybride Apps eingehen, ehe wir in Teil 2 auf native Apps eingehen und ein Fazit ziehen.

Abbildung 2: SAP Fiori Analytical List Page

Sap Fiori Web

Mit SAP Fiori Web meinen wir die webbasierte Entwicklung von mobilen Apps im SAP Kontext. Es ist die einfachste Form Applikationen auf mobile Endgeräte zu adaptieren, bietet gleichzeitig aber auch den geringsten Funktionsumfang und ist ausschließlich online über einen Browser aufrufbar. Die Oberflächen sind einheitlich, schlüssig und aufgeräumt. Design Patterns und vordefinierte Floorplans erleichtern den Entwicklern zudem das Erstellen von transaktionalen oder analytischen Apps. Der Entwickler hat dabei die Wahl mittels SAPUI5 klassisch die Oberflächen zu programmieren, oder mit Fiori Elements eine metasprachen-getriebene Entwicklung für die gängigsten Anwendungsmuster einzusetzen. Letzteres lässt die Oberflächen entsprechend generieren.

Vorteile:

  • Simple und schnelle Implementierung von mobilen Apps mit geringem Aufwand
  • Zentraler Zugriff der Apps über den Fiori Launchpad
  • Personalisierbar und rollenbasiert
  • Standard Apps im SAP Katalog nutzbar
  • Keine zusätzlichen Lizenzen und Infrastruktur notwendig
  • Konsistente Design & UX Patterns
  • Plattformübergreifend kompatibel

Nachteile:

  • Nur Online über Browser aufrufbar
  • Keine Integration von nativen Funktionalitäten der Endgeräte möglich (Push, Kamera, Sensoren etc.)
  • Erhöhter HTTP-Traffic

Sinnvolle Use Cases:

  • Native Funktionalitäten nicht notwendig
  • Online Zugriff ausreichend
  • Zentraler Zugriff auf mehrere Apps von mehreren Backend Systemen
  • Apps sollen auf allen Plattformen und Endgeräten gleichermaßen laufen

Abbildung 3: SAP Fiori Object Page

Hybride SAP Fiori App

Im Grunde ist eine hybride Fiori App eine nativer App-Container, in dessen Kern die webbasierte Fiori App läuft. Sie beinhaltet also die Schnittmenge der Eigenschaften von nativen und mobilen Webapplikationen und funktionieret auf unterschiedlichen Plattformen. Zudem ist  nicht in der Verwendung der einzelnen Systemfunktionen eingeschränkt. Möglich macht dies das WebIDE Plugin Hybrid Application Toolkit, das die Applikation um Cordova- und Kapsel-Plugin-APIs ergänzt. Vom Look & Feel der Fiori App ändert sich nahezu nichts, von den Funktionen hingegen schon. Denn eine hybride App macht die Integration einiger nativer Funktionalitäten möglich. Dazu zählen beispielsweise die Kamera, Push Notifications, Offline Modus, Kontakte, Telefon- und Kalenderzugriff. Anders als bei Fiori Web greift man nicht über einen Browser zu, sondern tatsächlich über eine App auf einem Android- oder iOS-Gerät. Dem App-Feeling kommt es dadurch deutlich näher, dass hier überflüssige Elemente wie die Browser-Adressleiste entfernt werden und die App im Fullscreen-Modus präsentiert wird.

Vorteile:

  • Offline-Zugriff möglich und Nutzung der gängigsten nativer Funktionalitäten, z. B. Kamera, Telefon, Kontakte etc.
  • Nutzung diverser Cordova-Plugins
  • Einzelne bereits bestehende Fiori Web Apps können einfach in hybride Apps transformiert werden
  • Plattformübergreifend kompatibel

Nachteile:

  • Eher als obsolet zu betrachten, da für plattformübergreifende native Entwicklung eher Mobile Development Kit zu bevorzugen ist
  • Weiterentwicklungen am Framework sind eher nicht zu erwarten

Sinnvolle Use Cases:

  • Bestehende Fiori Web Apps sollen nachträglich um native Funktionen erweitert werden

Fazit: SAP Fiori Web vs. Fiori Hybrid

Fiori Web ist zwar nur online aufrufbar und bietet an sich relativ wenig mobile Funktionen, dafür werden die Oberflächen plattform- und geräteübergreifend optimal dargestellt. SAP bietet zudem viele Templates zur Wiederverwendung an und sämtliche Apps können im Fiori Launchpad (onPremise oder Cloud) an einer zentralen Stelle integriert werden, selbstverständlich rollenbasiert für die der Benutzer auch berechtigt ist. Fiori Web hat einen sehr hohen Reifegrad und ist im S/4 HANA-Umfeld Standard.

Fiori Hybrid ist dagegen eher ein Sonderling. Aus unserer Sicht ein Auslaufmodell, welches wir aber der Vollständigkeit erwähnen wollten. Wenn es um plattformübergreifende Entwicklungen geht, in denen native Funktionen benötigt werden, sollte man stattdessen zu Mobile Development Kit greifen. Dennoch kann Fiori Hybrid an der ein oder anderen Stelle sinnvoll sein, wenn beispielsweise bestehende Fiori Web Apps im Nachgang mit nativen Funktionen angereichert werden müssen. Aber auch hier gilt, die Fiori Web App muss zuvor vorbereitet worden sein und muss im Stand-alone-Modus laufen, sonst ist auch hier der Vorteil dahin. Alles in allem sehen wir für Fiori Hybrid sehr wenig Anwendungsfälle in Unternehmen.

In Teil 2 betreten wir die native Welt der mobilen Entwicklung im SAP Umfeld und stellen sämtliche vorgestellten Techniken in einer Bewertungsmatrix gegenüber. Bleibt also am Ball!

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