Jüngst haben einige Berichte über spannende Möglichkeiten für die Distribution auf der „letzten Meile“ (letztes Wegstück beim Transport der Ware zum Kunden) in Life-Sciences-Branchen für Aufsehen gesorgt.

In Kooperation mit der Schweizerischen Post betreibt das US-Unternehmen Matternet in Lugano in der Schweiz derzeit einen Lieferdienst als Pilotprojekt, bei dem Drohnen für die Zustellung von dringend benötigten Medikamenten, Blutkonserven oder medizinischen Proben an Krankenhäuser und Labore zum Einsatz kommen. Die Produkte werden mit einem Quadrokopter transportiert, der mit einem speziellen Versandbehälter mit 2 kg Ladekapazität ausgestattet ist und mit einer Geschwindigkeit von 70 km/h eine Entfernung von bis zu 20 km zurücklegen kann. Die Drohnen bewegen sich innerhalb eines Netzwerks permanent installierter Landeplattformen mit integrierten Akkuladestationen. Der Empfänger erhält per Smartphone einen QR-Code, der über eine integrierte Kamera ausgelesen wird, um den Behälter zu entriegeln und die Sendung freizugeben.

Neben der erheblich kürzeren Durchlaufzeit werden auch die mittelfristig angestrebten Transportkosten von 5 bis 10 US-Dollar deutlich niedriger liegen als die eines Express-Kuriertransports im traditionellen Modell.

Gleichzeitig hört man, dass Amazon – nach der Übernahme der US-Online-Apotheke PillPack – nun plant, auch in den europäischen Apothekenmarkt einzutreten. Wenn Amazon Medikamente direkt an Patienten liefert, würde schon das allein erhebliche Veränderungen für Großhändler und Apotheken sowie generell für die Letzte-Meile-Distribution in der Pharmaindustrie mit sich bringen. Weitere Konsolidierungseffekte und -maßnahmen, um in diesem ohnehin schon hart umkämpften Markt die Effizienz von Letzte-Meile-Lieferungen zu steigern, wären die zu erwartende Folge.

Lieferung direkt in den Kühlschrank

Die Erfahrung mit Amazon in anderen Bereichen hat gezeigt, dass sich das Unternehmen voraussichtlich nicht auf den Handel allein beschränken, sondern künftig auch zusätzliche Dienstleistungen anbieten wird. Im Pharmasektor könnte der Amazon-Dienst „Amazon Key“ genutzt werden, um temperaturempfindliche Medikamente direkt in den Kühlschrank des Patienten oder einen anderen Zustellkühlschrank seiner Wahl zu liefern. Die Haustür ist mit einem digitalen Schloss versehen, das der Amazon-Zusteller über einen Authentifizierungscode auf seinem Smartphone öffnen kann.

Gerade bei Behandlungen mit biologischen Arzneimitteln ist es für die Betroffenen eine große Herausforderung, die wöchentliche oder sogar tägliche Zustellung temperaturempfindlicher Medikamente mit ihrem Privat- und Berufsleben zu vereinen. Insbesondere kann nach erfolgreicher Zustellung an den Patienten kein kontrollierter Temperaturkorridor mehr gewährleistet werden.

Die praktische Lieferung direkt in den Kühlschrank des Patienten würde dessen Lebensqualität erheblich verbessern, die Koordinierungskomplexität auf der letzten Meile wesentlich reduzieren und gleichzeitig eine kontinuierliche Temperaturregelung ermöglichen.

Was haben die beiden Beispiele gemeinsam? Sie bieten äußerst spannende Perspektiven für die Zustellung auf der letzten Meile in der Pharmalogistik und gehen mit dem Austausch sensibler Daten zwischen mehreren Akteuren einher.

Höhere Anforderungen an die Datensicherheit aufgrund neuer Serviceangebote

Derzeit tauchen zahlreiche weitere patientenorientierte Betriebsmodelle auf, die den Patienten ganz klar in den Mittelpunkt stellen. Andere Beteiligte sind – neben dem Patienten – Ärzte, Krankenhäuser, Labore, Logistikdienstleister und Pharmaunternehmen. In vielen Fällen werden wichtige Daten weiterhin analog übermittelt und in den Folgeprozessen teilweise wieder eingegeben. Das Risiko falscher Daten ist daher immens hoch. Aus diesem Grund bedarf es einer IT-Architektur, die gewährleistet, dass hierbei keine Verwechslungen möglich sind.

Gleichzeitig müssen relevante Patientendaten den Beteiligten, die für das Therapieverfahren autorisiert sind, über dezentrale Datenspeicherung und in Übereinstimmung mit den datenschutzrechtlichen Anforderungen bereitgestellt werden. Zudem muss gewährleistet werden, dass sämtliche Datentransfers ausschließlich zwischen freigegebenen Beteiligten erfolgen und die Daten unveränderlich und einheitlich gespeichert werden.

All das ermöglicht die Anwendung Hypertrust X-Chain, die von Camelot unter Verwendung des Ansatzes einer geschlossenen Lieferkette entwickelt wurde. Außerdem besteht die Möglichkeit für eine flexible Einbindung von Partnersystemen, eine Echtzeit-Überwachung von Temperatur, Standort und Qualität sowie einen sicheren Herkunftsnachweis. Dies ist eine wesentliche Grundlage für die Themen Serialisierung und Rückverfolgbarkeit, mit denen wir derzeit in unseren Projekten zu tun haben.

Weitere Überlegungen zu zuverlässiger Arzneimittelversorgung von meinem Kollegen Dr. Jochen Thomas.

Wer kann Ihnen helfen, Ihr Potenzial zu ermitteln?

Die Auswahl der besten Lösung – die alle Compliance-Anforderungen erfüllen, die meisten Synergien bieten und eine nachhaltige Geschäftsentwicklung ermöglichen sollte – ist schwierig und lenkt Sie von Ihren Kerntätigkeiten ab. Bei CAMELOT Management Consultants profitieren Sie von jahrzehntelanger Erfahrung in Logistik und Lieferkettenmanagement, fundierten Kenntnissen in zahlreichen Branchen, IT-Lösungen und hochgradig anpassbaren Methoden.

Wir danken Sebastian Scherer  für seinen Beitrag zu diesem Artikel.

 

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