In Teil IV unserer Reihe über die Pharmalogistik beschäftigen wir uns damit, wie sich die Supply-Chain-Kosten durch eine Partnerschaft mit einem Logistikdienstleister (LSP) optimieren lassen.

Teil IV: LSP: der Wert einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit

In der Vergangenheit spielten die Kosten für Logistikdienstleistungen – Transporttarife, Lager und Auftragserfüllung – in den Verhandlungen zwischen Logistikdienstleistern (LSP) und Pharmaunternehmen keine große Rolle. Stattdessen lag der Schwerpunkt auf Qualität und Zuverlässigkeit. Sinkende Rückerstattungen und zunehmende Konkurrenz durch Generikahersteller zwingen die Branche jedoch, Supply-Chain-Kosten neu zu betrachten – und das nicht nur im OTC-Segment.

Preis oder Qualität?

Natürlich fallen weniger Versandgebühren an, wenn man die Transportdienstleister mit den günstigsten Preisen beauftragt. Aber kann ein Pharmaunternehmen, das funktionieren und viele gesetzliche Vorgaben einhalten muss, sich das leisten? Qualität und Produktsicherheit haben in der Pharmabranche nach wie vor oberste Priorität und rechtfertigen zusätzliche Ausgaben, wenn ein LSP dafür wertvolle Erfahrung und Lösungskonzepte bieten kann. Die Krux liegt darin, das richtige Verhältnis aus Kosten und Qualität zu finden.

Überflüssige Prozessschritte vermeiden

Neben der Suche nach dem niedrigsten Preis für den besten Service lassen Kosten sich auch durch Prozessoptimierung, horizontale Synergien, Zusammenlegen von Sendungen, Änderungen des Transportmodus oder Prozessautomatisierung in Lagerhaltung und Transport senken. Wenn Verschwendung innerhalb der Prozesse vermieden wird, ist es möglich, sich mehr auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Abgesehen von der Auswahl des besten Lieferanten unter Berücksichtigung von Produkt- und Servicequalität sowie Preis lauten weitere berechtigte Fragen: Können die Transportkosten optimiert werden? Welcher Incoterm sollte angewandt werden und welcher Zollkodex ist für das jeweilige Produkt am besten geeignet? Verfüge ich unternehmensintern über die benötigte Expertise oder sollte ich effizienten Versand mit spezialisierten Maklerdienstleistungen kombinieren? Insbesondere bei kleineren Pharmafirmen hat die Erfahrung gezeigt, dass hausinterne Dienstleistungen sich oft durch den Einsatz von Drittanbietern professionalisieren lassen – und das bei besserem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die aus Sicht des Veränderungsmanagements erforderliche Befähigung und Entwicklung des gewählten Dienstleisters ist jedoch nicht zu unterschätzen. „Make-or-Buy-Entscheidungen“ erfordern ein lückenloses und umfassendes Verständnis der Pharmalieferkette.

Partnerschaften zahlen sich aus

Nachdem eine oder mehrere Transportgesellschaften ausgewählt wurden, haben Versender zwei Möglichkeiten: Entweder entscheiden sie sich dafür, in den nächsten drei Jahren mit einer Festpreisliste zu arbeiten (und etwas mehr zu zahlen, um das Risiko steigender Kosten für den Anbieter zu decken), oder sie schreiben jedes Jahr neu aus. Doch letzteres kostet das Einkaufsteam nicht nur viel Zeit und Mühe, es verhindert auch, dass Sie eine vertrauensvolle Partnerschaft mit Ihrem Anbieter aufbauen. Sie brauchen kein partnerschaftliches Verhältnis? Dann wird die andere Seite das genauso sehen! Nur ein Partner, zu dem ein Vertrauensverhältnis besteht und der Aussicht auf eine angemessene Marge hat, wird Zeit und Ressourcen investieren, um Sie bei der Optimierung Ihrer Prozesse und der Realisierung von Einsparungen zu unterstützen, welche die angenommenen (also lediglich prognostizierten) Einsparungen einer Ausschreibung schnell wieder wettmachen. Die Lösung, um eine kontinuierliche Partnerschaft anbieten zu können, ohne höhere Preise zu zahlen, liegt darin, Ihre Frachttarife über einen Zeitraum von ca. drei Jahren an einen lane- oder geschäftsspezifischen Frachttarifindex zu knüpfen und einen quasi-automatisierten, jährlichen Prozess zur Verlängerung des Frachttarifs zu vereinbaren, der über Gleitklauseln für den Kraftstoffpreis (Floater) hinausgeht.

Natürlich ist eine Partnerschaftsvereinbarung weit mehr als eine Preisvereinbarung und daher komplexer und voller Fallstricke. Mit einer festen Auswahl von drei bis fünf globalen Partnern zusammenzuarbeiten, kann sich jedoch mehr als lohnen. Zunächst einmal muss Ihnen klar sein, dass es keinen Anbieter gibt, der weltweit sämtliche Regionen allein abdecken kann. Die Auslagerung an den besten regionalen 3PL oder LLP ist nicht nur der globalen Zentralisierung und Harmonisierung von Prozessen zuträglich, sondern steigert auch die Kosteneffizienz, weil die jeweiligen Marktstärken und entsprechendes Benchmarking ausgenutzt werden.

Der Schlüssel zur Realisierung signifikanter Kosteneinsparungen liegt jedoch in der Wahl eines geeigneten Vertrags, der eine realistische und motivierende Gewinnbeteiligungskomponente innerhalb der Partnerschaft beinhaltet und Ihre Frachttarife idealerweise an einen verfügbaren Frachttarifindex koppelt.

In unserem nächsten Blogbeitrag fassen wir die bisherigen Artikel zum Thema „Pharmalogistik von morgen“ noch einmal kurz zusammen und zeigen, wie Sie Ihre Margen mithilfe der Digitalisierung weiter verbessern können.

Teil 1: Was treibt die Logistik 2025

Teil 2: Wie Sie mir Ihrer Supply Chain neue Wettbewerbsvorteile schaffen

Teil 3: Ist Ihre IT auf 2025 vorbereitet?

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