Wie kann die Kunststoffindustrie das Konzept der Kreislaufwirtschaft umsetzen? Fünf Schlüsselfaktoren für den erfolgreichen Wandel.

Kreislaufwirtschaft: Wie der Megatrend in der Kunststoffindustrie die Spielregeln verändert

Kunststoffmaterialien und -produkte sind wesentliche Säulen der modernen Wirtschaft. Durch ihre größtenteils lineare Wertschöpfungskette fällt jedoch viel Abfall an, was immense ökologische und wirtschaftliche Nachteile mit sich bringt. Zahlreiche Initiativen wie die „New Plastics Economy“ betrachten die Kreislaufwirtschaft als DAS Thema für die Kunststoffindustrie. Mit einem gesteigerten Verbraucherbewusstsein haben zwischenzeitlich auch politische Entscheidungsträger auf EU-Ebene Maßnahmen in Richtung Kreislaufwirtschaft initiiert. Spätestens seit Verkündung der Europäischen Kunststoffstrategie ist die Kunststoffindustrie gezwungen zu handeln. Damit sich die ehrgeizigen Ziele der Europäischen Kommission bis 2030 tatsächlich auch erreichen lassen, ist ein grundlegender Wandel nötig, welcher für die Branche zahlreiche offene Fragen und Herausforderungen birgt. Wie bereitet man sich auf die kommenden Regularien vor? Gibt es künftig mehr Ad-hoc-Verbote von Kunststoffprodukten? Welche Verpflichtungen sollten Branchenakteure eingehen? Branchenübergreifende Untersuchungen von CAMELOT zeigen, wie die Industrie bereits jetzt auf die EU-Kunststoffstrategie reagiert, mit welchen Herausforderungen einzelne Akteure in der Wertschöpfungskette konfrontiert sind und wie diese gemeistert werden können. Als Orientierungshilfe haben im Folgenden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

Fünf Erfolgsfaktoren

Im Rahmen der Analysen wurden fünf Erfolgsfaktoren ermittelt, mit denen Branchenakteuren die Ausrichtung auf die Kreislaufwirtschaft gelingt. Was Innovationen anbelangt, zeigt die Studie, dass bei den meisten Unternehmen bereits Innovationsprojekte laufen, entweder Materialsubstitutionen (z. B. Ersatz von Materialien fossilen Ursprungs durch biobasierte Materialien), Designinnovationen (z. B. Monoschichtverpackungen statt mehrlagigen Kunststoffverpackungen) oder eine Kombination aus beidem. Die Herausforderung besteht in der Skalierung der Innovationsbemühungen, da die meisten Initiativen bisher fragmentiert und auf Branchenebene noch unkoordiniert sind. Eine intensive Zusammenarbeit ist unerlässlich, um die verschiedenen Anwendungsarten besser aufeinander abzustimmen. In diesem Kontext muss auch der Umfang der Innovationstätigkeit erweitert werden. Es reicht nicht, schrittweise oder anwendungsbezogene Innovationen anzustreben. Vielmehr müssen Wiederverwendungs- und Recyclingaspekte bereits zu Beginn der Entwurfsphase als Grundvoraussetzung berücksichtigt werden. Es bedarf einer ganzheitlichen Betrachtung und umfassender Kenntnisse der Wertschöpfungskette, um das Potenzial voll auszuschöpfen. Die Wiederaufbereitungs- und Recyclingindustrie muss  mit einbezogen werden. Es gibt viele gute Beispiele für technologische Verbesserungen, vor allem in den Bereichen Trenntechnik (z. B. die Polymererkennung während des Trennvorgangs) und Aufbereitungstechnik (z. B. die Depolymerisation von Kunststoffen). Alles steht und fällt mit der richtigen Strategie und dem passenden Geschäftsmodell. Wir beobachten, dass Pionierunternehmen schon in Recyclingkapazitäten oder -betriebe investiert haben und bereits entwickelte, aber nie skalierte Produkte nun wieder in den Fokus rücken. Es ist ein ganz neuer Ansatz erforderlich. Das bisherige Konzept, sich auf Skaleneffekte zu konzentrieren, ist nicht mehr der einzige Treiber für künftigen Geschäftserfolg. Der erste Schritt für Branchenakteure besteht darin, ihre Initiativen in vier Bereichen zu bündeln: „Erweiterung der Produktnutzung“, „Nutzung von Dienstleistungen oder Plattformen statt Ressourcen“, „Nutzung von Ressourcen“ und „Ersatz der bisherigen durch nachhaltige Ressourcen“. Mithilfe eines Kreislauf-Geschäftskonzepts kann schließlich eine Reihe konkreter, profitabler Kerninitiativen ermittelt werden. Sind Sie an umfassenden Erkenntnissen zu Herausforderungen und Erfolgsfaktoren für den Wandel zur Kreislaufwirtschaft interessiert? Möchten Sie aus erster Hand Einblicke in die Initiativen Ihrer Branchenkollegen erhalten? Die Zusammenfassung der Studie ist als kostenfreier Download verfügbar.

Wir danken Kevin Tinnes für seinen Beitrag zu diesem Artikel.

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