Innovative Zelltherapien erfordern eine fehlerfreie Logistik. Jede Störung im Prozess kann fatale Folgen für den Patienten haben. Erfahren Sie mehr über die komplizierte Logistik bei extrakorporalen Behandlungen sowie innovative Lösungen, mit deren Hilfe Patienten diese Therapien sicher und verlässlich nutzen können.

Therapien auf Basis extrakorporaler Zell- oder Gewebeverarbeitung sind keine Zukunftsvision mehr. Sie finden immer breitere Anwendung. Ein gutes Beispiel sind die CAR-T-Krebstherapien KymriahTM (akute lymphatische Leukämie) und YescartaTM (großzelliges B-Zell-Lymphom), die bereits von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) zugelassen wurden und auf dem Markt verfügbar sind.

Wie funktionieren diese Behandlungen? In wenigen Worten:
Dem Patienten werden Zellen entnommen. Anschließend werden diese Zellen an eine pharmazeutische Einrichtung geschickt, verarbeitet, zurückgesandt und dem Patienten wieder verabreicht.

Doch was bedeutet das für die Logistik hinter solch empfindlichen und lebensrettenden Sendungen? Auf der LogiPharma in Montreux im letzten Jahr stellte die Hypertrust Patient Data Care GmbH die Lösung Hypertrust X-Chain vor, eine patientenzentrierte Blockchain-fähige Plattform, die den Behandlungsprozess extrakorporaler Zell- oder Gewebetherapien mit optimalen Abläufen und Technologien unterstützt und sicher macht.

Was ist so besonders an der Logistik im Bereich extrakorporaler Zell- und Gewebetherapien?

Zunächst ist es der Hintergrund einer jeden Sendung. So ist beispielsweise bei CAR-T-Therapien neben den Behandlungskosten zu bedenken, dass jede Sendung ein Menschenleben retten soll und die betroffenen Patienten oft keine Zeit für einen zweiten Versuch mehr haben.

Aber auch aus technischer Sicht handelt es sich nicht einfach um eine (Kryogen-)Kühlkette, sondern vielmehr um eine geschlossene Lieferkette. Der Patient ist der Ausgangs- und Endpunkt eines komplexen dezentralisierten Herstellungsprozesses, der die komplette Lieferkette umfasst. Während des gesamten Behandlungsprozesses muss die Produktkette für jeden Prozessschritt und jede Übergabe lückenlos überprüfbar sein.

Transportplanung

Bei extrakorporalen Zell- und Gewebetherapien beginnt die Risikominimierung bereits vor der Transportplanung. Jeder Teilabschnitt einer jeden verfügbaren Route muss im Hinblick auf seine Dauer und Risikoeinstufung bewertet werden. Es gibt mehrere Methoden, um eine gute Risikoeinstufung zu erzielen, z. B. Fehlerbaumanalyse, Ereignisbaumanalyse, Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse, Markow-Kette oder PAAG-Verfahren. Während der Routen- und Zeitplanung muss die jeweilige Strecke auf ihre Dauer und Risikoeinstufung hin überprüft werden.

Unterbeauftragung

Die Beauftragung von Subunternehmern ist im Bereich weltweiter Transporte unumgänglich. Doch eine Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied – das gilt auch für die Lieferkette. Jeder Dritte, der in direkten oder indirekten Kontakt mit der Sendung kommt, also mit den Zellen des Patienten, muss regelmäßig validiert werden. Außerdem müssen diese Parteien die aktuellen IT-Sicherheitsstandards erfüllen, um ihren Platz in einem so bunt gemischten Teilnehmerfeld einzunehmen.

Verpackungs- und Versandeinheiten

Die Kühlkette muss unter allen Umständen aufrechterhalten werden, was schon bei der richtigen Verpackung beginnt. Hierunter fällt auch die Verwendung validierten und zertifizierten Verpackungsmaterials.

Die (statische) Haltedauer ist ein guter Indikator dafür, wie lange eine Verpackung die Temperatur unter einem gewissen Niveau halten kann. Die dynamische Haltedauer gibt an, wie lange dies der Fall ist, wenn die Sendung auf dem Transportweg ist. Dies ändert sich jedoch, wenn Datenlogger angebracht werden, was bei der Validierung zu berücksichtigen ist.

Datenlogger sind für die Problemerkennung und eine schnelle Reaktionsfähigkeit von wesentlicher Bedeutung.

Gute Datenlogger übermitteln in Echtzeit eine Vielzahl von Parametern, zum Beispiel:

  • Innentemperatur
  • Außentemperatur
  • Standort
  • Neigung
  • Beleuchtung
  • Feuchtigkeit
  • Druck

Für Sendungen mit tiefkalter Kryogen-Kühlkette sind Dry Shipper erforderlich. Diese müssen – u. a. durch das Befüllen mit flüssigem Stickstoff – auf ihren Einsatz vorbereitet werden. Flüssiger Stickstoff siedet bei –196 °C und wird verwendet, um die Temperatur konstant unter –150 °C zu halten.
Dry Shipper sind das Kernelement der tiefkalten Kryogen-Kühlkette. Daher muss der Lebenszyklus eines Dry Shippers einem strengen Protokoll folgen: Vorbereitung, Verwendung, Rückgabe, Reinigung, Wartung, Ersatz von Verbrauchsmaterialien, Prüfung und Revalidierung. Die Einhaltung des Protokolls ist bei jedem Schritt zu dokumentieren.

Transportdurchführung

Während der Durchführung des Transports ist entsprechendes Monitoring von größter Bedeutung. Die Datenlogger so oft wie möglich zu überprüfen (z. B. bei jeder Übergabe der Sendung), sorgt nur für ein Mindestmaß an Überwachung. Soweit möglich, sollte Echtzeit-Monitoring zum Einsatz kommen. Durch eine Überwachung in Echtzeit können auftauchende Probleme erkannt und unverzüglich Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Diese Art Monitoring ermöglicht Interventionen und funktioniert wie folgt:
Kippt ein Dry Shipper um, reduziert sich die Haltedauer. Ein Neigungssensor erkennt das Ereignis und meldet es an das Kontrollzentrum. Das Kontrollzentrum antwortet und fordert den Fahrer auf, anzuhalten, den Dry Shipper gerade zu richten und die Ladungssicherung zu überprüfen. Auf diese Weise können die Folgen der Störung minimiert werden.

Zoll

Die Zollabfertigung ist ein weiterer komplexer Aspekt. Deutschland hat beispielsweise seine eigenen nationalen Einfuhrbestimmungen für Güter menschlichen Ursprungs, die dringend für lebensrettende Maßnahmen benötigt werden. Der Import verarbeiteter Zellen oder verarbeiteten Gewebes bedarf also der Einbeziehung einer weiteren Partei, da unter Umständen eine Einfuhrgenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte erforderlich ist. Dieses überprüft, ob der Import dem nationalen Lebensmittel- und Arzneimittelrecht entspricht. Daher sind im Voraus einige Abstimmungen mit den zuständigen Behörden nötig, um vermeidbare Unterbrechungen während der Zollabfertigung auszuschließen.

Wie die Hypertrust X-Chain bei dieser Herausforderung unterstützt

Die Hypertrust X-Chain ist eine Plattform, die den End-to-End-Prozess extrakorporaler Zelltherapien über alle Beteiligten hinweg nahtlos begleitet. Sie bietet Tools zur Unterstützung der jeweiligen Beteiligten und nutzt Blockchain-Technologie, um den Prozess jederzeit überprüfbar zu machen. Die einfache Einbindung in die bestehende IT-Landschaft macht die X-Chain für die meisten Endanwender nahezu unsichtbar.

Zudem garantiert die sogenannte „Hypertrust Workchain“, eine Workflow-Engine auf Blockchain-Basis, dass vorgängig validierte Prozessschritte strikt eingehalten werden, und ist dabei vollkommen resistent gegen Änderungen durch Hackangriffe, Viren oder Trojaner.

Die Hypertrust X-Chain wurde von Hypertrust Patient Data Care entwickelt, einem Spin-off der CAMELOT Group. CAMELOT ist ein führender Beratungsexperte für Wertschöpfungsketten-Management, insbesondere in der Life-Sciences-Branche. Seit mehr als 20 Jahren ist CAMELOT nun bereits ein verlässlicher Partner für viele führende Life-Sciences-Unternehmen und hat diese beim Aufbau herausragender patientenzentriert Wertschöpfungsketten unterstützt, die ein hohes Maß an Agilität bieten, ohne dabei die Profitabilität zu gefährden.

Sie sind an weiteren Informationen interessiert?

Wenn Sie mehr über die Lösung Hypertrust X-Chain, ihren Nutzen für Ihr Unternehmen und ihre Funktionsweise erfahren möchten, sprechen Sie uns bitte einfach an.

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