Teil V: Wie klettert man höher auf der Reifeleiter der Flow Metrics?

Wie setzt man Flow Metrics um? Flow Metrics müssen unter Berücksichtigung aller relevanten Ebenen und gegenseitigen Abhängigkeiten entwickelt werden. CAMELOT hat fünf Reifegrade des Supply Chain Performance Managements identifiziert: Von einfachen kostenzentrierten Metriken zu Flow-zentrierten Metriken im Rahmen einer ‚Demand-Driven‘ Umgebung (Abb. 1).


Abbildung 1: Reifegradmodell Flow Metrics

Je nach aktueller Reife des Supply Chain Performance Managements werden mehrere Schritte in Richtung einer „Demand-Driven Flow Metrics Excellence“ (kundenbedarfsgesteuerten Flow-Metrics-Exzellenz) empfohlen.

Schritt 1 betrifft die Einführung von Flow Metrics (einschließlich der erforderlichen Änderung des Mindset) nach einem bisherigen traditionellen (kostenzentrierten) Supply Chain Performance Management. Dies bedeutet einen echten Paradigmenwechsel und damit erhebliche Schulungs- und Befähigungsanstrengungen zusätzlich zur Definition des Flow-Metric-Systems.

Das Ziel in Schritt 2 ist die Entwicklung der Flow Metrics in einem ‚Demand-Driven‘ System, da die tatsächliche Nachfrage kurzfristig gesehen die relevanteste Information ist, durch die Planungsfehler aufgrund von falschen Prognosen vermieden werden. Die grundlegende Denkweise sollte in der Organisation schon vorhanden sein, der Fokus liegt auf der Einführung von realen bedarfsorientierten Leistungskennzahlen und speziellem Veränderungsmanagement. Dies beginnt mit operativen Flow Metrics, gefolgt von taktischen Flow Metrics, um die relevanten Informationen zu sammeln, die für die Kontrolle der Supply-Chain-Prozesse benötigt werden.

In Schritt 3 geht es um die letzten Schritte in Richtung der Demand-Driven Flow Metrics Excellence mit einem starken Fokus auf Verbesserungen, bei gleichzeitiger Weiterentwicklung der taktischen und strategischen Perspektive der Demand-Driven Flow Metrics. Die Informationen der verschiedenen Bereiche müssen in einer konstanten bidirektionalen und schrittweisen Art und Weise abgestimmt werden, um Anpassungen und Verbesserungen voranzutreiben.

Um zu Schritt 1 zu gelangen, nämlich der Festlegung und Einführung der Flow-Metrics-Rahmenbedingungen, wird ein aus fünf Phasen bestehender Projektansatz empfohlen. Abbildung 2 beschreibt die wichtigsten Ansätze dieser Phasen.


Abbildung 2: Die wichtigsten Phasen der Flow-Metrics-Einführung

Phase 1: „Aufbau einer Flow-zentrierten Sichtweise“: Als Grundlage für die Entwicklung von unternehmensspezifischen Flow Metrics muss die Strategie in konfliktfreie Ziele heruntergebrochen werden. Flow Metrics, die es ermöglichen, diese Ziele und Zielwerte zu erreichen, werden mit Hilfe des von CAMELOT entwickelten Flow-Metrics-Katalogs festgelegt. Der Einfluss von bestehenden und möglichen neuen Entkopplungspunkten wird simuliert und bewertet, indem man die vorher definierten Flow Metrics benutzt, bis eine optimale Konfiguration von Bestand, Zeit, Kapazitätspuffern und Kontrollpunkten erreicht ist.

Phase 2: „Umsetzung eines Flow Metrics Frameworks“:  Um den Rahmen für die Flow Metrics umzusetzen, kann entweder ein Greenfield- oder ein Brownfield-Ansatz verwendet werden. Leistungsindikatoren müssen mehrere strategische Dimensionen abdecken, das gewünschte Verhalten und die gewünschte Kultur ermöglichen und nach festgelegten Kriterien ausgewählt werden. Eine detaillierte Darstellung der Flow-Metrics-Bausteine finden Sie in meinem Artikel „Umsetzung der Flow Metrics – die Bausteine für Flow Metrics“.

Sobald die Ziele festgelegt sind, müssen sie gemessen, überprüft und aktuell gehalten werden. CAMELOT liefert Best-Practice-Arbeitsabläufe für die Festlegung, Umsetzung und das Überprüfungsprozesse der Flow Metrics. Um Prozesse, Datenbedarf und -verfügbarkeit zu überprüfen und die Anforderungen und Leistungen des IT-Systems festzulegen, benutzt CAMELOT einen strukturierten Ansatz. So lässt sich eine sinnvolle Kosten-/Nutzen-Einschätzung mit Roadmap- und Managementempfehlungen vornehmen.

Mit Hilfe von Change Management und entsprechenden Kommunikationsmaßnahmen wird eine gemeinsame Denkweise unter den Interessengruppen und innerhalb der Organisation herbeigeführt. Die Auswirkung der Veränderungen auf Organisation, Menschen, Prozesse und Technologie wird bewertet, woraufhin sich Kommunikationsstrategien und -pläne ableiten lassen. Schulungen ermöglichen es den Benutzern, die Veränderungen erfolgreich zu durchlaufen.

Phase 3: „Prozess- und IT-Implementierung“: Um die Kraft der Flow Metrics vollständig nutzen zu können, muss die IT-bezogene Umsetzung einschließlich der IT-Systeme und Datenthemen sichergestellt werden: Zunächst gilt es den technischen Setup (Infrastruktur und Systeme) zu konfigurieren und/oder anzupassen. In der darauf folgenden Datenkonfiguration werden die Stammdaten importiert und – sofern erforderlich – bereinigt. Der dritte Schritt besteht aus Testläufen und Schulungen, bei denen funktionale und nicht funktionale Anforderungen getestet werden, eine Prüfung der Benutzerakzeptanz durchgeführt wird, die Endbenutzer geschult werden und ein Testlauf erfolgt. Nach erfolgreichem Abschluss wird das System in Betrieb genommen und vom Projektteam der IT-Abteilung übergeben. Nach der Inbetriebnahme werden die Systemvorgänge überwacht, verwaltet und unterstützt.

Wir können diese Artikelserie zu Flow Metrics mit der Erkenntnis abschließen, dass Unternehmen in dem heutigen volatilen Umfeld mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert sind, die nicht gemeistert werden können, wenn einzelne Abteilungen nicht am gleichen Strang ziehen, sondern nach Silo-Optimierung streben. Der Wandel hin zu einer Flow-basierten Kultur ist ein Weg, den es sich zu gehen lohnt.

Weitere Artikel in dieser Blog-Serie:

Teil I: Wenn die Supply-Chain-Perfomance-Indikatoren den falschen Weg weisen

Teil II:  Die richtige Richtung für das Performance Management – Flow Metrics

Teil III: Messung der Supply Chain Performance mit Flow Metrics

Teil IV: Umsetzung von Flow Metrics – die Flow-Metrics-Bausteine

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