Deutschland hat seinen Ausstieg aus der Kohle bis 2038 erklärt. Was bedeutet das für deutsche Hersteller und die Energieversorgung von morgen? Wie die Zukunft aussehen wird, ist noch nicht eindeutig zu sagen. Umso wichtiger ist eine kreative strategische Planung – jetzt!

Deutschland hat im Energiesektor einen weiteren großen Schritt unternommen. Nach der Fukushima-Katastrophe im Jahr 2011 erklärte das Land seinen Ausstieg aus der Kernenergie. Dies führte zu höheren Energiepreisen, Ausgleichszahlungen an Energieerzeuger und Investitionen in erneuerbare Energien. Die mit dieser Entscheidung verbundenen Probleme sind jedoch noch nicht gelöst. Die Energiepreise sind nach wie vor hoch, insbesondere für energieintensive Segmente (obwohl die Regierung Ausnahmen bei der Energieumlage beschlossen hat). Zudem kommt der Ausbau der Infrastruktur vom windenergiereichen Norden zum Süden nicht wie gewünscht voran.

Konsequente Verpflichtung zur Reduzierung der CO2-Emissionen – andauernde Debatte über die Folgen

Nun hat Deutschland seinen Ausstieg aus der Kohle bis 2038 erklärt. An dieser Stelle muss hervorgehoben werden, dass Deutschland konsequent an den Klimazielen und der deutlichen Reduzierung der CO2-Emissionen festhält. Doch wie so oft, wenn es um den Klimawandel geht, wird hitzig über die Risiken für Industrie und Arbeitsplätze diskutiert. Die ersten Reaktionen der Branche sind nicht überraschend: Vorhersagen von Stellenabbau und laute Forderungen nach finanziellem Ausgleich. Die Bundesregierung wiederum argumentiert, der Kompromiss werde sich nicht auf die Energiepreise für die Verbraucher auswirken und die Umstellung auf erneuerbare Energien „nicht spürbar“ sein. Die Debatte darüber hat gerade erst begonnen, wird sich aber voraussichtlich noch verschärfen und sehr emotional werden, da der Strukturwandel definitiv eine Vielzahl von Branchen, Arbeitsplätzen und Verbrauchern betreffen wird.

Ein Blick auf das Gesamtbild – Investitionsumfeld und Geopolitik

Ich möchte jedoch auf eine eher strategische Ebene eingehen. Erstens wird es für Investoren und Hersteller in Deutschland immer schwieriger, eine strategische Entscheidung für die Fertigung in Deutschland zu treffen. Investitionen, insbesondere in die energieintensive industrielle Fertigung, müssen aufgrund steigender Energiepreise oder aufgrund des Risikos, dass politische Entscheidungen einen langfristig ausgerichteten Business-Plan zunichte machen, überdacht werden. Zudem befindet sich Deutschland in einem politischen Dilemma, was die Alternativen zu Kohle angeht, insbesondere in Bezug auf Erdgas.

Die Unterversorgung mit Erdgas beheben – aber zu welchem Preis?

Erdgas scheint ein vernünftiger Ersatz für Kohle zu sein, da es die Volatilität erneuerbarer Energien ausgleichen und eine Energieversorgung mit wesentlich weniger CO2-Emissionen sichern könnte. Zu diesem Zweck müsste jedoch zusätzliches Erdgas eingeführt werden, entweder durch Erhöhung der Pipelinekapazitäten für Lieferungen aus Russland oder durch die Investition in LNG-Terminals, um Gas aus den USA und dem Nahen Osten zu importieren. Es ist offensichtlich, dass es bei dieser Entscheidung nicht um die Kosten für den Bau von Pipelines oder LNG-Terminals geht. Es ist vielmehr eine Frage geopolitischer Spannungen und Interessen: Inwieweit ist Deutschland in der Lage, die eigenen Interessen und die seiner Partner in Einklang zu bringen?

Was kommt als Nächstes?

Bisher wurden keine unmittelbaren Schritte angekündigt, um die Kohleenergieproduktion deutlich zu reduzieren. Die Regierung hat verkündet, dass der Energiepreis jährlich mit 2 Mrd. Euro subventioniert wird, um ihn stabil zu halten. Es wird auch einige Zeit dauern, bis der Kohleausstieg von der Industrie und den privaten Verbrauchern verstanden und vollständig reflektiert wird. Abgesehen von der Debatte in der Industrie müssen Hersteller ihre strategische Planung überdenken und Szenarien entwickeln, die steigende Energiepreise widerspiegeln, aber auch die Möglichkeiten potentieller Erdgaslieferanten. Letztendlich könnten eine erneute Bewertung des Gesamt-Set-up sowie eine genaue Prüfung von Make-or-Buy-Optionen für spezifische Schritte in derWertschöpfungskette notwendig werden.

 

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