Die zunehmende Digitalisierung in allen ökonomischen und sozialen Bereichen führt dazu, dass auch bei der Unternehmenssteuerung neue Wege gegangen werden müssen. Das Ziel: den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen nachhaltig sichern.

Big Data, Echtzeitverfügbarkeit von Daten, Predictive Analytics und automatisierte Entscheidungsmodelle auf Basis künstlicher Intelligenz sind nicht nur neue Buzzwords oder kurzfristige Hypes. Neue technische Möglichkeiten im Kontext der Digitalisierung ändern die Steuerung in Unternehmen grundlegend und nachhaltig.

Digitales Controlling vs. Controlling in der Digitalisierung

Es wird viel über ein „Digital oder Digitalized Controlling“ geschrieben, wobei dies im Grunde eine falsche Begrifflichkeit darstellt und zu Missverständnissen führt. Wenn man von Digitalisierung im Controlling-Kontext spricht, geht es um eine fundamentale Neuausrichtung des Controllings an sich und nicht nur um den Einsatz neuer Technologien. Diese sind zwar ein Enabler und auch ein Treiber für die Transformation. Digitalisierung bedeutet für Controlling aber viel mehr. Um ein Unternehmen auch zukünftig erfolgreich zu steuern, muss das Controlling sich konsequent weiterentwickeln und transformieren.

Paradigmenwechsel im Controlling

Die Erfolgsfaktoren für die Unternehmenssteuerung haben sich geändert. Prozesse, Inhalte, Methoden, Organisation und Rollen müssen aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen überdacht und kritisch reflektiert werden.

  1. Datenwertschöpfung vs. Datenerhebung
    Datenwertschöpfung ist die Fähigkeit, aus dem Überangebot an Informationen die wirklich steuerungsrelevanten Daten zu extrahieren, verfügbar zu machen, schnell auszuwerten und in Handlungsempfehlungen zu übersetzen sowie die möglichen Auswirkungen simulieren zu können. Sie wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
  2. Zukunftsorientierung vor Vergangenheitsbewältigung
    Alle Aktivitäten im Bereich Finance & Controlling sollten konsequent an der Zukunft ausgerichtet werden. Die Vergangenheit ist nur insoweit relevant, wie sie Implikationen für zukünftige Entwicklungen hat.
  3. Konsequente Handlungs- und Maßnahmenorientierung statt Dokumentation
    Ziel einer Analyse sollten immer konkrete Handlungsempfehlungen und Maßnahmenpläne sein. Zu dieser Aufgabe gehört es auch, die entsprechenden Verantwortlichkeiten zu definieren, Meilensteine festzulegen und die Umsetzung zu tracken, um gegegebnenfalls gegenzusteuern zu können.
  4. Integrierte Planung & Forecasting statt losgelöste Excelübungen
    Ein Forecast beinhaltet ein aktuelles Bild, welches zeigen sollte, wie sich das Unternehmen auf Basis des momentanen Informationsstandes entwickeln wird. Er stellt keine inhaltlose Extrapolation der vergangenen Geschäftsentwicklung dar. Die Aufgabe heißt nicht, die Planung durch einen Forecast zu ersetzen, sondern die Lücke zwischen Plan und Forecast maßnahmenorientiert zu schließen. Neue Möglichkeiten, Szenarien unter Nutzung auch externer Datenquellen zu simulieren, leisten wertvolle Unterstützung bei der Verbesserung der Entscheidungsfindung. Die aktuellen Anforderungen werden zudem die Frequenz der Steuerungszyklen erhöhen.
  5. Geschwindigkeit versus Genauigkeit
    Die Geschwindigkeit, in der Entscheidungen getroffen werden müssen, steigt und häufig stellt auch die Entscheidungsgeschwindigkeit den zentralen Erfolgsfaktor dar. Oft muss auch unvollständiges Wissen ausreichen, um eine richtige Entscheidung zu treffen und man sollte keine Zeit verlieren mit unnötigen Detailanalysen und Scheingenauigkeiten. Das soll aber nicht bedeuten, dass im Bereich des externen Rechnungswesens nicht weiterhin eine 100%-Genauigkeit erforderlich bleibt.
  6. Agilität statt Reaktion
    Der Controller muss ein tiefes Businessverständnis haben und mit viel Eigeninitiative agieren, um aktuelle und zukünftige Anforderungen frühzeitig zu adaptieren. Der Controller sollte immer einen Schritt weiter als das Management sein.
  7. Flexibilität versus Stabilität
    Der Anteil definierter Standardberichte wird zu Gunsten eines flexiblen ad-hoc-Reporting immer geringer werden. Die Rahmenbedingungen ändern sich permanent und ein Controlling muss flexibel genug sein, schnell entsprechende Anpassungen vorzunehmen.
  8. Mut statt Sicherheit
    Ein Controller braucht zukünftig mehr Mut, auch selbst Entscheidungen zu treffen und darf sich nicht hinter der Zahlenwelt verstecken. Daten sollten weitgehend automatisiert zur Verfügung gestellt werden. Es geht nicht um „Rechnen“ sondern um die zukunftsorientierte Interpretation und Analyse.

Fazit: Die Rolle und das Selbstbild des Controllers muss sich konsequent weiterentwickeln

Die Digitalisierung bringt sehr viele Chancen zur Verbesserung der Unternehmenssteuerung mit sich. Um diese Chancen zu nutzen aber auch die Risiken reflektieren zu können, müssen sich im Controlling Inhalte, Prozesse, Organisation und auch die Systemumgebung weiterentwickeln und teilweise auch grundlegend ändern.

Am Anfang dieses Prozesses steht der Mensch und seine Bereitschaft, sich auf diese notwendigen Veränderungen einzulassen. In Unternehmen müssen die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um diesen Veränderungsprozess zuzulassen und zu fördern. Es gibt kein klar definiertes „richtig“ oder „falsch“. Wichtig ist es keine Zeit zu verlieren sondern „jetzt“ zu starten, auch Fehler zuzulassen und schnell daraus zu lernen.

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